Kreislaufwirtschaft umfasst das gesamte Leben eines Produktes: von der Entwicklung, der Herstellung, der Verwendung bis hin zur Wiederaufbereitung. In der momentanen Wegwerfgesellschaft werden täglich große Mengen an Rohmaterialien abgebaut, zu Produkten verarbeitet, dann genutzt und danach entsorgt. All das ist verbunden mit hohem Energie- und Ressourcenaufwand. Das Ziel der Klimaneutralität 2040 in Wien und in ganz Österreich kann auf diese Weise nicht erreicht werden. Es ist daher unumgänglich, unser Wirtschaftssystem und damit auch unseren Lebensstil vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Durch eine effiziente Kreislaufwirtschaft mit der möglichst weitgehenden Weiter- und Wiedernutzung der bestehenden Ressourcen in einem geschlossenen Kreislauf, schaffen wir es, den Rohstoffverbrauch drastisch zu verringern. Somit sinken Abfallaufkommen, Energiebedarf und Emissionen. Der größte Energieverbrauch und die stärksten Umweltbelastungen entstehen beim Abbau von Rohstoffen, bei der Produktion der Güter und beim Transport. Nach der – oft nur sehr kurzen – Nutzung vieler Produkte stellt die Abfallentsorgung eine weitere Umweltbelastung dar.

Die Stadt Wien hat mit der Strategie „Zirkuläres Wien – Eine runde Sache“ den Weg der Wiener Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft beschrieben. Aufbauend auf den Nachhaltigkeitszielen der „Smart Klima City Strategie Wien“ sind darin zahlreiche Schwerpunktbereiche, in denen die Kreislaufwirtschaft von besonderer Bedeutung ist, beschrieben sowie wichtige Hebel definiert, um die Kreislaufwirtschaft konkret umzusetzen.
Ziel ist es, die eingesetzten Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten, so dass nur ein geringer Teil als Abfall ausscheidet.
Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie nennt 10 Grundsätze zur Umsetzung einer erfolgreichen Kreislaufwirtschaft. Da diese Grundsätze jeweils mit einem Wort mit Anfangsbuchstaben "R" beginnen, spricht man auch von den "R-Grundsätzen" der Kreislaufwirtschaft. Diese aus dem Englischen stammenden Begriffe stehen in einer bestimmten Reihenfolge und sind in drei Gruppen eingeteilt: „Intelligente Herstellung und Nutzung“, „Lebensdauer verlängern“ und „Wiederverwerten von Materialien“.

Intelligente Herstellung und Nutzung

Kreislaufwirtschaft cKUK 420„Refuse“ = Ablehnen

Ist es wirklich notwendig, ein bestimmtes Produkt zu beschaffen? Können wir es stattdessen nicht besser ausleihen oder sogar ganz darauf verzichten? Denn: Am nachhaltigsten ist es, etwas gar nicht erst zu kaufen oder zu nutzen. Das fängt mitunter schon bei einfachen Dingen an, z. B. indem wir

• ein funktionierendes Mobiltelefon nicht durch das neu am Markt angepriesene ersetzen, sondern das vorhandene weiterhin verwenden.
• E-Mails und andere Dokumente nicht selbstverständlich ausdrucken, sondern direkt am Bildschirm lesen und weiterbearbeiten.
• Leitungswasser trinken statt Wasser aus Flaschen.
• Mehrwegprodukte anstelle von Einwegprodukten bevorzugen (Getränkeflaschen, eigenes Mehrweggeschirr für Take-Away,..).

Die Definition von „Refuse“ in der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie lautet: etwas „überflüssig machen. Produkte werden überflüssig, der Produktnutzen wird anders erbracht.“

„Rethink“ = Überdenken

Ist für die Nutzung des Produktes unbedingt ein Neukauf nötig? Können auch Verleih, Tausch oder Leasing die Nutzung des Produktes möglich machen? Zum Beispiel Werkzeug, das ausgeborgt statt gekauft wird, da es nur selten benötigt wird.

Das Ziel von „Rethink“ ist nicht nur, einzelne Produkte zu verbessern, sondern das gesamte Denken und Handeln entlang des Produktlebenszyklus zu verändern. Es geht also um nichts Geringeres, als bestehende Produkte und Prozesse grundsätzlich zu hinterfragen und so zu gestalten, dass sie von Anfang an nachhaltiger, ressourcenschonender und effizienter sind.

„Reduce“ = Reduzieren

Kann man den Ressourcenverbrauch sowohl in der Herstellung als auch bei der Nutzung reduzieren? Im Idealfall werden weniger natürliche Ressourcen und Materialien verbraucht, während gleichzeitig die Effizienz bei der Erstellung der Dienstleistung bzw. der Produkte und bei der Nutzung steigt. Dadurch kann ein positiver Kreislauf ausgelöst werden: Effizientere Herstellungsprozesse führen häufig zu einem geringeren Materialeinsatz. Das kann zum Beispiel durch besseres Design geschehen. Eine echte „Win-Win“-Situation!

Beispiele hierfür sind:

• Doppelseitig drucken und kopieren.
• Umstieg bei Kaffee von Kapselsystemen auf Filterkaffeemaschinen oder frischvermahlende Vollautomaten, bei entsprechend hohem Bedarf an Kaffee.
• Umstieg bei Kaffee von Aluminiumkapselsystemen auf kompostierbare Kapseln.
• Bücherei der Dinge: Gebrauchsgüter, wie Werkzeug oder Spielsachen, ausleihen statt kaufen!
• Publikationen in geringeren Stückzahlen produzieren und bei Bedarf nachdrucken.

Lebensdauer verlängern

„Reuse“ = Wiederverwenden

Produkte, die noch funktionsfähig sind, sollen weiterhin verwendet werden („Second Hand“). „Reuse“ lässt sich im Alltag vielfältig umsetzen, bedeutet es doch gemäß österreichischer Kreislaufwirtschaftsstrategie nichts anderes als „funktionsfähige Produkte wiederverwenden.“ Beispiele sind: Möbelstücke, Gewand, Kinderspielzeug, Bücher. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, kann von einer anderen Person weiterverwendet werden, da es noch funktionstüchtig ist. Aber auch Verpackungsmaterial, das ein zweites und drittes Mal verwendet wird, und Mehrweggeschirr fürs Mittagessen „To Go“ sind Beispiele für „reuse“.

Beispiele für Läden und Plattformen fürs Weiterverwenden:

• Für die Weiterverwendung („Reuse“) privater Gegenstände bietet sich ein Besuch bei den beiden 48er-Tandlern an. Wer dort einkauft, spart Geld und wertvolle Ressourcen – Der wohl coolsten Reuse-Laden Wiens biete außerdem eine große Produktvielfalt. Hier finden Sie (fast) alles: von Kleidung über Geschirr, bis hin zu Vintage-Möbeln und sicherheitsüberprüften Elektronikgeräten.
• Auch Internetplattformen wie „willhaben“, „Ebay“ und andere bieten die Möglichkeit, nicht mehr benötigte, funktionsfähige Gegenstände weiterzugeben bzw. zu erwerben.
• „Second-Hand“-Läden und Flohmärkte sind weitere Möglichkeiten, den „Reuse“-Gedanken auch im privaten Bereich zu unterstützen.

„Repair“ = Reparieren

Produkte sollen durch Reparatur wieder in Stand gesetzt und weiterverwendet werden. Ob der defekte Laptop, oder ein schadhaftes Möbelstück: Die Reparatur von Gegenständen, egal welcher Produktgruppe zugehörig, hält wertvolle Ressourcen im Gebrauch und steigert die Ressourceneffizienz. „Repair“ ist daher ein zentraler Grundsatz der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie und bedeutet laut Definition: „Reparatur. Produkte warten und durch Reparatur weiternutzen.“ Aspekte der Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit können und sollen bereits beim Kauf berücksichtigt werden.

Beispiele für Möglichkeiten, die Kreislaufwirtschaft im persönlichen Bereich durch Reparatur zu unterstützen:

„Repair-Cafés“ 
„Reparaturnetzwerk Wien" (herstellerunabhängiges Netzwerk von Reparaturprofis)
„Geräte-Retter-Prämie“ der Bundesregierung, bietet eine Verringerung der Reparaturkosten bis zu 50 %
„Wiener Reparaturbon“ bietet finanzielle Unterstützung für nicht-elektrisch betriebene Sachen wie Möbel, Textilien, Instrumente 

„Refurbish“ = Verbessern, Auffrischen

In der österreichischen Kreislaufstrategie wird Refurbish als „verbessern, alte Produkte aufarbeiten und auf den neuesten Stand bringen.“ definiert. Gemeint ist damit die technische und optische Generalüberholung eines Produkts: Es wird gereinigt, überprüft, bei Bedarf repariert und falls nötig werden einzelne Komponenten ersetzt, um die Funktionsfähigkeit des Produkts wiederherzustellen. Typische Anwendungsbereiche sind Geräte wie Smartphones, Tablets, Notebooks, Drucker, etc. Der „Refurbishment“-Prozess ist ressourcenschonender als ein Neukauf und stellt eine effektive Maßnahme gegen die wachsenden Mengen Elektroschrott dar. Veraltete Geräte oder Produkte werden auf den neuesten Stand gebracht und dadurch wieder nutzbar. Beispiel: Ein funktionierender PC mit veralteter Software wird mit aktueller Software ausgestattet und kann wiederverwendet werden.

„Remanufacture“ = Wiederaufbereiten

Teile von defekten Produkten werden für neue Produkte genutzt, die dieselben Funktionen erfüllen. Beispiel: Teile eines kaputten Notebooks werden ausgebaut und in einem anderen Notebook eingebaut, das dadurch wieder funktionstüchtig wird. Bei der Wiederaufbereitung werden gebrauchte Produkte oder Systeme vollständig zerlegt, alle Komponenten geprüft, verschlissene Teile ersetzt und das Produkt anschließend nach aktuellen Standards neu zusammengesetzt – technisch und funktional vergleichbar mit einem Neuprodukt, häufig inklusive voller Garantie. „Remanufacture“ ist daher besonders relevant bei hochwertigen Investitionsgütern mit langer Lebensdauer und hohem Materialeinsatz. Definition der österreichischen Kreislaufstrategie: „Wiederaufbereiten, Teile aus defekten Produkten für neue Produkte nutzen, die dieselben Funktionen erfüllen.“

„Repurpose" = Anders weiternutzen

Gebrauchte oder defekte Produkte, oder Teile davon werden für neue Produkte genutzt, die andere Funktionen erfüllen. Hierbei wird das (Abfall-)Material in seinem ursprünglichen Zustand wiederverwendet, aber für einen anderen Zweck. Zum Beispiel können aus alten Fahnen Turnbeutel hergestellt werden, oder aus alten LKW-Planen Notebook-Taschen. Dies wird oft auch als "Upcycling" bezeichnet. „Repurpose“ beschreibt die kreative oder funktionale Umwidmung eines Produkts oder seiner Komponenten zu einem völlig neuen Verwendungszweck. Dabei bleibt die physische Struktur weitgehend erhalten, was diesen Ansatz besonders energieeffizient macht. „Repurpose“ gewinnt auch in der industriellen Anwendung zunehmend an Bedeutung.

Wiederverwerten von Materialien

„Recycle“ = Aufbereiten

Was passiert mit einem Produkt, wenn es endgültig ausgedient hat? Im Idealfall beginnt dann ein neuer Kreislauf: Recycling ermöglicht es, wertvolle Materialien erneut zu nutzen, Ressourcen zu schonen und Abfälle zu minimieren. Recycling holt Ressourcen zurück in den Kreislauf und stellt sie wieder für neue Produkte bereit. Zum Beispiel kann aus gebrauchten PET-Flaschen Funktionskleidung erzeugt werden.

In der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie ist Recycling als stoffliche Verwertung definiert, als „Aufbereiten von Materialien, um eine hohe Qualität zu erhalten und sie wieder in den Materialkreislauf zurückzuführen.“

Mit ihrem leistungsfähigen Recyclingsystem verbindet die Stadt Wien ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Nutzen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Voraussetzung dafür sind eine getrennte Sammlung, eine effiziente Sortierung sowie geeignete Aufbereitungsprozesse. Und: Je besser Produkte bereits in der Entwurfsphase auf spätere Verwertung ausgelegt sind, desto höher ist die Qualität der zurückgewonnenen Rohstoffe. In Wien stellt die MA 48 sicher, dass Altstoffe getrennt gesammelt werden, die in hoher Qualität gut recycelt werden können – von Altpapier und Kartonagen über Leichtverpackungen, Glas und Metallen bis hin zu Bio-Müll.

Weitere Informationen zu Abfalltrennung, richtiger Entsorgung und Recycling:
• Das Mist-ABC bietet einen Überblick über die Entsorgungsmöglichkeiten aller Abfallarten in Wien: Das Mist-ABC – Müll richtig trennen und entsorgen – Stadt Wien
• Misttelefon unter der Rufnummer +43 1 546 48

"Recover" = Thermisch verwerten

Ist kein Recycling mehr möglich, werden die Materialien schlussendlich verbrannt und die entstehende Energie wird genutzt. Alle Produkte, die keiner weiteren Verwertung zugeführt werden können und frei von gefährlichen Inhaltsstoffen sind, gelten als Restmüll. Dieser wird in Wien im Sinne des Grundsatzes „Recover“ in einer der Wiener Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Dabei wird die im Abfall enthaltene Energie genutzt, und Strom und Fernwärme werden gewonnen. Allein in der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau werden Strom für 25.000 Haushalte und Fernwärme für 50.000 Haushalte erzeugt. Besonderheit der Wiener Müllverbrennungsanlagen: Aus den Verbrennungsrückständen („Schlacke“) werden auch noch Eisen- und Buntmetalle aussortiert und wieder in den Kreislauf gebracht.

Hinweis: Der „Recover“-Grundsatz zählt im engeren Sinne nicht mehr zur zirkulären Wertschöpfung, da die Materialien nicht im Kreis geführt, sondern nur noch verbrannt werden können.

 

© Grafik: Katharina Kummerer

TPL_WUA_ADDITIONAL_INFORMATION