Die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien ist ein zentrales Ziel für den Klimaschutz und für die Erreichung der Klimaneutralität Wiens bis 2040. Mit der kürzlich beschlossenen EU-Richtlinie RED III soll der Ausbau erneuerbarer Energien weiter beschleunigt werden. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass dabei der Naturschutz in den Hintergrund gerät und die Biodiversität beeinträchtigt wird.Besonders in Wien, wo die verfügbare Fläche begrenzt ist, und ein hoher Nutzungsdruck herrscht, stehen der Schutz des Wiener Wald- und Wiesengürtels und der Bedarf an Freiflächen-Photovoltaikanlagen in einem Spannungsverhältnis.
Vor diesem Hintergrund organisierte die Wiener Umweltanwaltschaft gemeinsam mit dem ÖKOBÜRO und dem Institut für Raumplanung der TU Wien am 13.11.2025 einen Roundtable, um den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien in Wien im Rahmen der RED-III-Richtlinie zu diskutieren. Rund 20 Fachexpert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen in Verwaltung, Forschung und Privatwirtschaft erörterten die Risiken und Potenziale für den Naturschutz, im Zusammenhang mit dem Ausbau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen.
Nach spannenden Vorträgen zur Biodiversität unter Freiflächen-PV-Anlagen sowie zu den rechtlichen Entwicklungen im kürzlich veröffentlichten Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG) wurde als abschließender Input der Entwurf für ein gemeinsames Positionspapier der Wiener Umweltanwaltschaft, des ÖKOBÜROs und der TU Wien zum naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien vorgestellt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung fanden Kleingruppendiskussionen zu den Themen Naturschutz, rechtliche Rahmenbedingungen und Öffentlichkeitsarbeit statt. Dabei wurden mögliche naturverträgliche Ausgestaltungen von Freiflächen-PV-Anlagen sowie geeignete Standortkriterien diskutiert. Deutlich wurde unter anderem, dass – neben noch offenen rechtlichen Fragen – insbesondere die Bewusstseinsbildung der Bürger*innen eine zentrale Voraussetzung für die Akzeptanz eines naturverträglichen Ausbaus von Photovoltaikanlagen darstellen wird.
Insgesamt kristallisierte sich auch der Diskussion heraus, dass für den Ausbau der erneuerbaren Energie auf Grün- und Freiflächen langfristig eine strategische Vorgehensweise benötigt wird, um neben den Klimaschutzzielen den Wiener Wald- und Wiesengürtel in seiner ökologischen und klimatischen Funktion, sowie als Naherholungsfläche, zu erhalten. Letztendlich bleibt abzuwarten, wie die konkrete Umsetzung des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz-Entwurfes aussehen wird.
© Foto: Mag. Potzmann, MA 22
