Im Juli berichtete die Wiener Umweltanwaltschaft darüber, dass die zunehmende Sommerhitze mehreren europäischen Atomkraftwerken zu schaffen macht. Viele Atomreaktoren mussten abgeschaltet werden oder zumindest ihre Leistung verringern. Der Grund war, dass die ökologischen Temperaturgrenzwerte der Gewässer, die als Kühlwasser genutzt werden, überschritten wurden. Für das AKW Paks in Ungarn wurde im Juni eine zweifelhafte Lösung gefunden: Der ökologische Temperaturgrenzwert wurde mittels Notverordnung außer Kraft gesetzt, um das AKW weiter betreiben zu können. Durch die hohe Wassertemperatur (ca. 30°C) entstand somit eine extreme Belastung der aquatischen Ökosysteme der ungarischen Donau.

Nuclear Power Plant Paks128Bei der aktuellen Hitzewelle Anfang August 2026 konnte dieser Ausnahmemechanismus der ungarischen Regierung jedoch nicht mehr greifen. Der Wasserstand der Donau sank aufgrund der anhaltenden Trockenheit so weit, dass die Ansaugpumpen des Kraftwerkes nicht mehr in der Lage waren, ausreichend Kühlwasser aus der Donau zu entnehmen. Daher war es notwendig, die Leistung des AKW Paks schrittweise auf rund 12 % der Nennleistung zu reduzieren. Nach aktuellen Berichten befand sich am 4.8.2026 nur noch ein Reaktorblock mit stark verminderter Leistung in Betrieb. Falls sich der Wasserpegel weiter verringern sollte, könnte auch eine vollständige Abschaltung der letzten verbliebenen Reaktoreinheit erforderlich werden. Dies würde bedeuten, dass erstmals seit ihrer Inbetriebnahme vor 44 Jahren alle vier Paks-Reaktoren gleichzeitig vom Netz genommen werden müssen. Das Kraftwerk ist auf ausreichend Kühlwasser aus der Donau angewiesen. Fehlt dieses, kann ein sicherer Betrieb nicht mehr gewährleistet werden.

Der Fall Paks macht deutlich, dass die Klimakrise nicht nur eine Herausforderung für die Energieversorgung darstellt, sondern auch die Zuverlässigkeit der Atomkraft selbst beeinträchtigt. Ausgerechnet in Zeiten extremer Hitze, wenn der Strombedarf für Klimatisierung und Kühlung besonders hoch ist, geraten Atomkraftwerke zunehmend an ihre Grenzen.

Darüber hinaus ist die Stromversorgung eines Landes sehr vulnerabel, wenn sie stark von einem, oder wenigen, Großkraftwerken abhängt. Die drastische Leistungsreduktion des AKW Paks führte in Ungarn zu erheblichen Herausforderungen für die Stromversorgung. Unternehmen mussten ihren Stromverbrauch teilweise stark einschränken. Auch die Bevölkerung wurde zum sparsamen Umgang mit Strom aufgerufen, um das Stromnetz zu entlasten. Ein Energiesystem, das auf viele dezentrale erneuerbare Erzeugungsanlagen, Speicher und Energieeffizienz setzt, ist gegenüber Extremwetterereignissen deutlich robuster als eines, das von einzelnen Großkraftwerken abhängig ist.

Unseren Websitebeitrag von Juli sowie die gemeinsam mit Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky veröffentlichte Presseaussendung zu diesem Thema finden Sie hier:

Hitzewelle macht europäischen Atomkraftwerken zu schaffen

Czernohorszky: „Hitzewellen zeigen die Grenzen der Atomkraft deutlich auf!“, Rathauskorrespondenz vom 12.07.2026

 

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