Mit der Wiederinbetriebnahme der Reaktoreinheit 6 des Atomkraftwerks Kashiwazaki-Kariwa hat Japan einen umstrittenen Schritt gesetzt. Das Kraftwerk gilt als das größte Atomkraftwerk der Welt und war seit dem Reaktorunfall von Fukushima im Jahr 2011 außer Betrieb. Am 21. Jänner 2026 wurde erstmals wieder ein Reaktor an diesem Standort hochgefahren. Dieser Schritt wurde trotz anhaltender Proteste, offener Sicherheitsfragen und wachsender internationaler Kritik gesetzt.
Der Neustart war ursprünglich früher geplant, musste jedoch kurzfristig verschoben werden. Wenige Tage vor der geplanten Inbetriebnahme wurde ein Defekt an einem sicherheitsrelevanten System im Zusammenhang mit den Steuerungsstäben festgestellt. Erst nach umfassenden Überprüfungen aller Sicherheitssysteme erfolgte schließlich die Freigabe. Bereits in den vergangenen Jahren war der Start der Anlage mehrfach aus politischen und technischen Gründen verschoben worden. Die zweite baugleiche Reaktoreinheit 7 soll nach aktuellem Stand frühestens 2030 folgen und erfordert zusätzliche Sicherheitsnachrüstungen.
In Japan selbst ist die Wiederinbetriebnahme umstritten. Vor allem in der betroffenen Präfektur Niigata formiert sich Widerstand. Noch im Dezember 2025 protestierten mehrere hundert Menschen gegen die Neubewilligung des Kraftwerks. Umfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der lokalen Bevölkerung die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb nicht als gegeben ansieht. Das Vertrauen in den staatlichen Betreiber TEPCO gilt weiterhin als gering. Berichten zufolge wurden umfangreiche finanzielle Zusagen an die Region gemacht, um die Akzeptanz für das Projekt zu erhöhen.
Auch auf internationaler Ebene wird der Schritt kritisch bewertet. Kashiwazaki-Kariwa wurde in den frühen 1990er Jahren errichtet und entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Die notwendigen Nachrüstungen sind mit enormen Kosten verbunden. Trotzdem können moderne Sicherheitsstandards nur eingeschränkt erreicht werden.
Die Katastrophe von Fukushima wirkt bis heute nach. Expert*innen schätzen die Kosten des Reaktorunfalls und seiner Folgen auf 200 bis 600 Milliarden US-Dollar. Unabhängig von der genauen Summe zeigt sich, dass die Folgen eines schweren Atomunfalls weit über finanzielle Schäden hinausgehen und ganze Regionen für Jahrzehnte unbewohnbar machen können.
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