Am 15. Oktober 2026 wurde der vierte Reaktor des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce erstmals mit dem Stromnetz verbunden. Was der Betreiber als großen Erfolg feiert, ist zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für die enormen Verzögerungen beim Bau von Atomkraftwerken. Mit dem Bau des Reaktors wurde bereits 1986 begonnen. Bis zur vollständigen kommerziellen Inbetriebnahme müssen noch weitere Tests und Sicherheitsüberprüfungen abgeschlossen werden.
Jahrzehntelange Verzögerungen und steigende Kosten
Die Bauarbeiten an Mochovce 3 und 4 wurden Anfang der 1990er-Jahre aufgrund des Zerfalls der Sowjetunion unterbrochen und erst 2008 wieder aufgenommen. Ursprünglich sollten die beiden Reaktoren 2012 und 2013 fertiggestellt werden. Doch immer neue Verzögerungen und erhebliche Kostensteigerungen begleiteten das Projekt. Block 3 ging schließlich 2023 in den kommerziellen Betrieb. Block 4 speiste nun im Oktober 2026 erstmals Strom ins Netz ein. Die Gesamtkosten für die Fertigstellung beider Reaktoren stiegen auf rund sieben Milliarden Euro. Die ursprüngliche Kostenschätzung lag bei nur drei Milliarden Euro.
Sicherheitsfragen bleiben entscheidend
Bei Mochovce 4 handelt es sich um einen Druckwasserreaktor sowjetischer Bauart des Typs WWER-440/V213. Trotz umfangreicher Nachrüstungen kann ein ursprünglich in den 1980er-Jahren entwickeltes Reaktorkonzept den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht vollständig gerecht werden. Beispielsweise verfügt der Reaktor über kein Stahlbeton-Containment, wie es bei modernen Atomkraftwerken als wichtige Sicherheitsbarriere vorgesehen ist.
Atomkraft ist keine schnelle Antwort auf die Energiewende
Der Fall Mochovce zeigt einmal mehr, wie langwierig, teuer und komplex der Bau von Atomkraftwerken sein kann. Fast vier Jahrzehnte zwischen Baubeginn und erstem Netzanschluss verdeutlichen, dass neue Atomprojekte keine rasche Antwort auf die Herausforderungen der Klimakrise bieten. Statt Milliarden in langwierige und risikoreiche Atomprojekte zu investieren, sollten erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und Energieeffizienz konsequent ausgebaut werden.
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